Donnerstag, 31. Januar 2013
wagadouze: Stromausfall, Krieg, Hengste und barmherzige Schwe...
wagadouze: Stromausfall, Krieg, Hengste und barmherzige Schwe...: Und dann stehst du unter der Dusche, Haare, Körper bien eingeseift, die Sonne hat sich hinter dem Horizont verabschiedet ...
wagadouze: wagadouze: Do Re Mi - Trällern und das Operndorf w...
wagadouze: wagadouze: Do Re Mi - Trällern und das Operndorf w...: wagadouze: Do Re Mi - Trällern und das Operndorf wächst : Die Nacht war kurz und Schuld war Whitney Huston. Indirekt zwar nur, aber trotzde...
Dienstag, 22. Januar 2013
Pdp – Pas de problème, alles läuft rund, fast
Montagmorgen à Gounghin, so heisst das Quartier mit meiner
Herberge. Ein erster Rundgang auf dem lokalen Markt, auf Tuchfühlung avec ma
„vie africaine“, zwischen Anführungszeichen. Zu Fuss, denn noch habe ich mich
nicht für ein Fortbewegungsmittel entschieden. En general bin ich mit dem Velo
unterwegs. An zweiter Stelle stehen diese chinesischen 125er Pseudovespas, an
dritter das voiture, aber das muss organisiert, mit Chauffeur versteht sich, und teuer bezahlt werden. Oder ich miete mir
eine Töffli ... on vera.
Bereits nach 50 Metern wird mir bewusst, dass ich noch immer
mit meiner zürcherische Fussgänger Attitude unterwegs bin. Will sagen, zu
schnell, zu wenig wiegend, zu wenig offen. Alors Rückschritt für Fortschritt. Ich passiere rechterhand die grosse Moschee,
vor deren Toren immer eine beachtliche Anzahl Männer bettelt. Linkerhand steht
der Töggelikasten, noch verweist, aber er wird seine Spieler bald finden. Dann
vorbei an Bretterbuden, Bretterverschlägen, kleinen Restos, Frauen, die bereits
ihre fliegenden Küchen installiert haben, Natelverkäufern, Kalabassen, Zierrat
und viel Unrat, Gockeln, Hennen, Küken. Dann die Früchte-, Tomaten-,
Gemüseauslagen, dann Erdnüsse, gesalzen, süss, mit und ohne Röstung. Kochbananen,
Essbananen, Minizitronen, Maniok, Fisch, Frischfleisch mit Fliegen und so
weiter und so fort. Doch ich peile den Marina Market an, eine lokale
Einkaufskette. Denn ich brauche subito Milchprodukte mit garantierter
Kühlkette. Néscafé mit Milchpulver ist einfach nicht wirklich mein Ding.
| Der Kaffe aus dem Nestchen, die Milch aus dem Nestchen, das Leben aus denm Nestchen, ... |
Und da ich von meiner letzten Ouagareise doch Millionen von
Einzellern – illegal ich weiss – so genannte Lamblien eingeführt habe, bin ich
jetzt grad aktuell auf der vorsichtigen
Seite um mein Verdauungssystem nicht schon in den ersten 48 Stunden zu
stressen. Es kommt dann so wieso so wie es kommt, oder.
Punkt 10 steht dann Warren auf der Matte. Heute wird
gearbeitet, heute werden wir gemeinsam die Schulklasse besuchen, über und mit
der ich eine Fotoreportage erstellen möchte. Warren, Fotografie-Urgestein aus
Ouaga wird das ganze auf einen Chip bannen. Warren hat bereits vorrecherchiert.
On verra.
Die Reportage soll Teil des Festivals „Pas de problème“, dass
wir rund um „L’Héritage“, unser Familien-Theaterstück, gespielt in der
Trinkhalle der Wirtschaft Ziegelhütte in Zürich-Schwamendingen, sein. Das Ziel
der Reportage ist, eine Diashow für Oberstufenschüler aus Schwamendingen zu
erstellen. Eine Art afrikanischer Schulspiegel. „Bestellt“ habe ich eine
Schulklasse in einem Aussenquartier, einem Ort der wenig Begüterten und das
heisst viel und bedeutet sehr wenig in Ouaga. Und öffentlich soll sie sein,
keine Privatschule.
Wir cruisen eine halbe Stunde durch Ouaga. Ich stelle fest,
dass viel mehr Verkehrspolizei positioniert ist, als das letzte Mal. An
praktisch jeder Kreuzung mindestens zwei Uniformierte. Es scheint, dass die
Stadtregierung die Verkehrsregeln, die ohne Zweifel existieren, aber bis jetzt
ein eher marginales, bis zur grossen Nichtbeachtung, Dasein führen, durchsetzen
wollen ... On verra.
Abends werden mir Augusta, Schauspielerin voller Gnaden und
Achille, Schauspieler voller Feuer, erzählen, dass sie beide von der
Verkehrspolizei angehalten wurden. Augusta musste ein Busse, bezahlen, weil sie
ihre Karre nicht vorgeführt hatte, Achille überfuhr ein Rotlicht. Beide müssen
umgerechnet 6000 CFA-Franc zahlen. 100 SFR sind 53'000 CFA. Voilà. Der Staat braucht Geld.
| Pausenplatz |
Der erste Eindruck ist ein Abdruck. Der Innenhof der Schule
ist grossflächig, vier Fussballfelder, geschätzt, drei Bäume geschätzt und rund
herum stehen die Schulzimmer. Die Sonne brennt und trotzdem geht ein kalter
Wind. Ein jährliches Wetterparadox, das viele krank macht. Einerseits
Temperaturen bis über 35 Grad und andererseits eine Art Bise, die in die
Knochen fährt, dazu Wüstenstaub, auch wüsten Staub. Das ist Monsieur Harmattan
in Januar.
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| Halimata, 14-jährig, muss noch ein Jahr in dieser Schule bleiben, da ihre Eltern das Geld für den Übertritt in die Oberstufe nicht bezahlen können. |
Ich lerne Halimata, 14 Jahre jung kennen. Sie wird das
Mädchen sein, das Warren, der Fotograf für das Schulportrait ausgewählt hat.
Wir begrüssen uns kurz, sie spricht leise, senkt den Blick, ist sehr scheu. So
ein weisse Tante aus der Schweiz ...,
die Fragen stellt ... Sie hat keine Ahnung wo das ist, Schweiz, Europa? Und
natürlich habe ich mal wieder keine Karte dabei. Asche auf mein Haupt, tammi
nomal, immer wieder vergesse ich das Einfachste.
Ich habe einzig 30 Bleistifte dabei, aber die Klasse hat
über 46 Kinder ... Da stehe ich und fühle mich schäbig.
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| Abwesenheitsassistenz |
Am Freitag, werden Warren und ich Halimata zu Hause abholen
und in die Schule begleiten. Im Gepäck einen Ball mit Miniglobus-Sujet. So kann ich ihr wenigstens
zeigen, wo die Schweiz auf dem Globus zu finden ist und was für eine Miniature,
dies Land ist.
Kurz spreche ich auch noch mit drei Lehrkräften, zwei
Lehrerinnen und dem Lehrer von Halimata. Alle unterrichten über 40 Kinder pro
Klasse und unterrichten toutoutout. Mathe, Schreiben, Franz, Singen, Turnen,
Geo und was man alles so lernt, für das Leben, eben ... Die Kinder pro Klasse
sind zwischen 9 und 15 Jahre jung.
Das erste Beschnuppern ist vorbei, als am Himmel über der
Schule ein dicker, fetter Flieger über den Schulhof hinwegdonnert. Ohne
Signale, ganz in militärischem Grau. Die Richtung ist bestimmt, vers Mali. Der
Krieg ist nah, der Krieg ist da.
Abends tschutten die Hengste aus Burkina gegen Nigeria und gewinnen 1:1. So jedenfalls wird das hier interpretiert. Battu Nigeria, bravo! Ach ja, es spielt die afrikanische Meisterschaft.
Sonntag, 20. Januar 2013
Hund ist mehr Schwein wie Rind - L'afrique hat mich wieder
Das
neue Jahr hat begonnen. Mit was für einer Musik. Der Kontostand ist im
Sinkflug, aber trotzdem (noch) ausgeglichen, die erste grosse Melancholie liegt
bereits hinter mir und seit einigen Stunden bin ich in Ouagadougou.
Die
Reise begann um 7 Uhr in der Früh Zürcher Ortszeit im Schneegestöber und endete
mit einer sanften Landung pünktlich um 16.50 Ortszeit Ouaga.
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| Zürich Abgang 7.30 Uhr, Jänner 19. |
Dazwischen
lagen einige interessante Gespräche, von der Art wie man sie früher, als im Zug
noch miteinander gesprochen und nicht autistisiert wurde, erleben konnte.
Von
Zürich nach Brüssel nahm ein flotter Geschäftsmann neben mir Platz, der, so
schien es mir jedenfalls einer der Weitgereisten ist. Nicht ein Hauch von
Reisenervosität, sondern diese Art Reisemenschen, die sich im Flugzeug so verhalten,
als wären sei bei sich in der Gartenlaube, angenehme 25 Grad im Schatten und
ein Glas Sancerre. Très distingé!
Genau
das Richtige für mich, die ich doch noch immer mit einer gewissen Unruhe im
Herzen auf jede Flugreise gehe. Ich bin ja noch immer eine Kurzgereiste. Der
Flattersatz und das kurzzeitige Herzrasen sind passé, aber eine mir nicht
unangenehme Fiebrigkeit ergreift mich noch immer. Und wenn ich dann alleine
reise, ist so ein männlicher Tranquilizer herzlich willkommen. Da werden
irgendwelche DerMannbeschütztmich-Chips aktiviert. Und in der Tat, der Mann ist
irgendein ranghohes Tier bei IBM in unserem zürcherischen Altstetten.
Verantwortlich für was weiss ich denn von IBM und lebt in Belgien, genauer
Antwerpen. In der Regel fliegt er am Montagmorgen in Kloten und am Freitag
wieder in Brüssel ein. Und das seit sechs Jahren. Davor war er weltweit tätig,
jetzt ist er, so seine Worte, quasi sesshaft, obschon er immer wieder auch ins
Ausland fliegt. Et voilà. In Zürich bewohnt er kein Appartement oder so was in
dem Stile, sondern er logiert im Hotel; weil billiger als eine Wohnung mieten!
Et voilà. Und ausserdem ist alles aufgeräumt und immer picobello. Er ist
verheiratet, die Frau arbeitet auch und er hat drei erwachsene Kinder, die alle
studieren. Und nur eine Tochter raucht ab und zu. Eine Sozialraucherin, wie er
präzisierte. In Zürich findet er den öffentlichen Verkehr absolut den Hammer
und erst kürzlich hat er das Viadukt entdeckt und ist ganz begeistert. Kurz
streiften wir noch Lance, das grosse Lügenpedal und waren uns einig, dass
der Mann eine Plage für die Welt ist. Nicht nur für die Pedalöre. Der nette
Geschäftsmann hievte dann auch noch meinen schweren Rucksack hin und her. Im
Gegenzug weiss Monsieur le Belge nun, warum ich hier bin – vielleicht weiss er
gar mehr wie ich – was ich vorhabe, so in etwa, und was ich so treibe in der
Schweiz. Aids-Hilfe und so.
Und
dann war der Flug auch schon zu Ende und der Brüsseler Flughafen nahm mich in
Empfang. Kein Vergleich zu diesem Monster CHdG in Paris. Alles übersichtlich,
alles sur place.
Und
nach einer längeren Enteisungsaktion – ja es war auch in Brüssel kalt, wenn
auch nicht so kalt – starteten wie Richtung Ouaga. Diesmal hatte ich eine Frau,
encore une Belge, neben mir. Etwas bieder, wie mir auf den ersten Blick
erschien, kleider- und brillenmässig gesprochen, aber ebenfalls sehr nett. Auch
sie verstaute meinen schweren Rucksack, auch sie schien mir weitgereist.
Trotzdem stellte sich der DieFraubeschütztmich-Modus nicht ein. Gender bleibt Gender
... Na ja, das vertiefen wir jetzt nicht.
Die
Frau, mit Vornahmen Nadja, sie nannte ihn mir nach dem ersten Gin-Tonic, flog
noch Lomé mit Zwischenlandung Ouaga. Sie arbeite gemeinsam mit Bauern in einem
Dorf Nahe der Grenze zu Burkina. Eines der vielen humanitären Projekte in
Westafrika. Dazwischen fliegt sie immer wieder mal zu ihren Eltern in Brüssel.
Und sie hat einen alten Range Rover gekauft und nach langem Zögern hat sie sich
nun auch ans Autofahren gewagt. Das findet sie jetzt absolute Klasse, und als
sie mir das erzählte, strahlte sie wie eine reife Mango. Sehr schön. Ihr
Freund, ein Einheimischer möchte auch gerne mit dem RR fahren, hat aber noch
kein Permis. Das ist ihr dann doch zu riskant, man weiss ja nie ... Während dem
Mittagessen, sie trank jetzt Weisswein und nachdem ich sie gefragt hatte, ob
sie auch gerne scharf esse, erzählte sie mir, dass sie alles, wirklich alles
esse, was die Locals auch essen. Ausser scharf da sei sie heikel. Aber sonst
alles. Das heisst auch Hunde. Sie kaufe auch Hunde, töte sie und esse sie. Und
sie schmecken eher wie Schweine, denn wie Rinder. Und überhaupt gefällt es ihr
sehr gut in Togo und ein bisschen spricht sie auch eine der Landessprachen. Et
voilà.
Zwischendurch
schenkte ich mir eine halbe Stunde Air-TV. Avatar stand auf dem Programm und da
ich diesen Film noch nicht gesehen hatte, nahm ich die Occasion wahr. Nach
einer halben Stunde gab ich, in einer unendlichen Langeweile von Blaupause,
auf. Was für ein Scheissfilm. Die Story wird auch mit 3D nicht besser.
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| Sahara, janvier 2013 |
Und
dann war da ja noch die Wüste. Ich hatte das erste Mal in meinen Flugleben einen
Fensterplatz, denn ich auch nutzte. Bis jetzt hatte ich immer zu viel Respekt
(man kann dem auch Angst sagen) vor den Blicken in die Tiefe. Oder war es eher
die Weite? Und verzichtete in der Folge immer auf meinen Ausguck. Aber diesmal
nicht.
Und
was ich sah, war 10000000000 Mal besser als alle Avatars zusammen. Europa lag
unter einer dicken Wolkenschicht. Nordafrika teilweise auch und ab Südmarokko
lichtete sich die Atmosphäre.
| Niger |
Die
Sahara. La grande. Wellenförmige Sandmuster von Wind und Wetter, durchzogen von
haarfeinen Rissen, Verwerfungen und Erhebungen. Ockergelb, sandbeige,
silberbeige, braunbeige, graubraun. Menschenleer ohne Stillstand.
Dann
wieder wie fallengelassene Tücher. Leinene, seidene, wollene. Eines und noch
eines und noch eines. Ineinander und aufeinander und miteinander. Muster und
Formen, abstrakte, nie zuvor gesehene, Farbspiele eines Kindes. Jede Wolke als
Schattenspiegel zurückgeworfen.
Fliegen,
fliegen, überfliegen.
Winzige
Dörfer, Kreise, Quadrate, Vierecke.
Dann
der mäandernde Niger. Blaugraues Band durchzieht silberbeige. Keine Spur von
grün.
Dann
Bäume, mehr Dörfer, mehr von allem, aber noch immer spärlich. In der Wüste wird
gespart. Claro que si.
| Sahara |
Und
irgendwann die Frage noch den Jihadisten. Wo sind die da unten? Denn jetzt
überfliegen wir die Region um Tombouctou, so zeigt es zumindest die Flugkarte
an. Und was ist eigentlich, wenn jetzt so ein Franzosenflieger daher geflogen
käme? Ja was wäre denn? Wären wir in unserer Luftmaschine auf 11000 MüM höher
oder tiefer? Hé da unten herrscht Krieg und wir fliegen darüber hinweg.
Ich
merke ich habe viele Fragen, keine Antworten und Nadja schläft.
Ich
schaue in die Tiefe, in die Weite, staune.
Pünktlich
landen wir in Ouaga. Es ist heiss, ich bin da, ich bin angekommen.
Montag, 8. Oktober 2012
Das Wort zum Sonntag, am Montag
| Der Schweizer Apfel |
Sonntagmorgen, sieben Uhr. Langsam schraubt sich die Sonne
in den Himmel. Das milchige Licht zeichnet die ersten Schatten auf die
staubigen Strassen. Die Regenzeit scheint passé zu sein. Die Stadt nimmt
langsam Anlauf. Die ersten Läden öffnen die Türen und warten auf den ersten
Kunden, der Glück und noch mehr Kunden bringen soll. Die fliegenden
Händlerinnen und Händler wischen sich ein Plätzchen sauber und installieren
sich. Grillierte Kochbananen werden gewendet, Pfannkuchen in süttig heisses
Palmöl getaucht, Baguettes mit Rührei, und falls erwünscht mit allen unmögliche
Inn-, und Aussereien, gefüllt. Konfitüre geht auch. Eine Hündin bellt erfolglos
gegen Steine schmeissende Jungs an. Mère Poule führt zwei Poussin spazieren.
Eine Ziege entsorgt Plastikmüll. Noch ist der Verkehr handzahm.
----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------| dimanchetrankil |
Der Monsieur spendiert ihnen ein
Bier. Oh, merci!
Der Monsieur heisst Fidel und hat eine Geschäftsbesprechung
im Garten der Résidance Galiam, wo ich logiere. Praktisch jeden Tag kommt er
ins Hotel, wie etliche andere auch, um seine Mails zu checken. Die Résidance
bietet freien Internetzugang. Da ich
nicht eruieren kann, wer denn nun Hotelgast und wer den nun Besucher ist,
grüsse ich immer alle. Das fand Fidel nett und darum spendierte er mir ein
Bier. Zwei, drei Sätze wurden ausgetauscht, aha Theater, aha Tourismusbranche,
aha aus der Schweiz, aha Burkinabé, aha, aha, aha.
Drei Tage später die zweite Einladung zu einem weiteren Bier
und einem kleinen Schwätzchen. 17h d’accord? Blödnaiv, naivbblöd? sage ich zu.
Ich werde um diese Zeit ja eh in der Résidance bloggen. Alors de quoi? Ein Bier
trinken und ein bisschen quatschen. Schadet auch den Französischkenntnissen
nicht, en plus. Punkt 17 Uhr steht er auf der Matte. Non, wir werden doch nicht
hier ein Bier trinken, wir gehen en ville. Aha. Soll ich? Soll ich nicht? Meine
Antennen übertragen mir eine Sicherheitstüre einzubauen. Ich sage zu, aber
unter der Bedingung, dass ich um 19 Uhr wieder im Hotel sein muss, von wegen
abgemacht und so. Aha.
On y va. Ich nehme zur Kenntnis, dass Fidel einen praktisch
intakten Mercedes(logo Occassion) sein eigen nennt. Aha. Wir fahren nicht weit
und treffen in einem der vielen Strassenrestos von Ouaga, auf seine Freunde.
Begrüssung und viel Blabla und bald fühle ich mich wie vorgeführtes Simmentaler
Braunvieh. Die Männer scherzen viel, mal auf Französisch, mal auf Mooré. So weit ich der Konversation folgen kann,
sind die meisten Witze religiös konnotiert. Man erklärt mir, das sei die Plaisanterie,
jene scherzhafte Form, die hilft soziale Spannungen zwischen den Ethnien
abzubauen. Banalisiert gesagt, wie wenn sich Basler und Zürcherinnen verbal
anficken und scherzen, um sich nicht zu prügeln. Dazwischen das übliche, die
Schweiz als weltweiter Geldhort und Geldwaschanlage. Aha.
Ich simuliere einen Telefonanruf und gebe vor, ich müsse nun
direkt ins Hotel zurück.
Später erzähle ich diese kleine Episode einem Freund. Er
erklärt mir, dass die Einladung auf ein Bier, die Einladung zu einem Beischlaf
sein. Manchmal brauche es auch zwei Bier. Claro que si, oder? Aha. Künftig
zahle ich mein Bier selber.
Schauspielerin O. möchte unbedingt in der nächsten
Produktion von Monsieur X. dabei sein. Was soll sie tun? Schauspielerin A. rät
ihr, den besagten Herrn im Hotel aufzusuchen und ihm persönlich das Anliegen
vorzutragen. Und wenn er mit mir schlafen will? fragt O. Dann hörst du auf dein
Herz und entscheidest dich, rät A. Wie die Geschichte ausgegangen ist? So oder so.
Eigentlich ich die Schule gratis. Die staatliche Schule auf
jeden Fall. Aber wenn sich zu viele um einen Platz in der Oberstufe bewerben,
kann es durchaus sein, dass allein für die Entgegennahme des Anmeldeformulars
eine Gebühr von 40'000 FCFA (rund 80 Franken und das Durchschnittseinkommen in
einem Monat) erhoben wird. Eigentlich ist die Schule gratis.
| Ca se passe à la télé |
Wir sind im Fernsehstudio. Aufgezeichnet wird die Sendung „Ca
se passe à la télé“, eine Promo-Sendung, in der sich Firmen, Unternehmungen und
dergleichen mehr vorstellen können. Das Publikum zur rechten und linken Seite
des Moderatorenpultes geben jeweils die Angestellten der eingeladenen Firma.
Dazwischen singen, säuseln, rappen, kreischen, düdeln eingeladene Musikerinnen
und Musiker, jeden Alters, jeden Stils, jeden Niveaus. Die Sendung wird
aufgezeichnet und jeweils sonntags – im Loop – X Mal wiederholt.
Nöel, einer unsere Schauspieler in „SEVRAGE“, möchte eine
zweite Karriere als Musiker aufbauen, da ihn das Theaterbusiness immer wieder
mal ankotzt. Als Musiker heisst er Nounou und seine Band besteht, in der Regel,
aus verschiedenen Musikern und drei Frauenstimmen. Er sei noch auf der Suche
nach dem richtigen Sound, darum versuche er sich auch in diversen Sparten. Was
zwischen Tradition und Rock, Chanson und Pop und seiner eigenwilligen
Interpretationsart halt.
Bereits um 13 Uhr mussten wir vor Ort sein, aber dann fand
die Eile ein jähes Ende. Zuerst wurde gegessen und lange auf den Moderator
gewartet. Als der endlich eintraf, war er überbusy und hatte nur ganz kurz
Zeit. Ich wurde fälschlicherweise für die Weisse gehalten, die auf Mooré singt
... désole. So wurde es fast halb drei, bis wir endlich im Studio landeten.
Und hier stehen wir nun. Für den Soundcheck muss der
Tontechniker zuerst das Mischpult einrichten und dann seine Kabel sortieren.
Zwischenzeitlich trudeln immer mehr Musiker ein. Sie alle dürfen, wie Nöel
auch, zwei Songs zum Besten geben. Von Musikstarsternchen über Reagge-Rasta-Yeahh-Jahh-Man,
zum Coraspieler, zum Protestsänger, zum coolen Rapper ist alles zu haben. Bevor
der erste Check von statten geht, haben
wir die erste coupure (Stromausfall).
Das ganze Studio ist in Dunkelheit gehüllt. Einzig die
Handypfunzel des Tönlers strahlt ein bisschen ins Schwarze. Die üblichen
anzüglichen Bemerkungen, die wahrscheinlich weltweit überall und bei jedem
Stromausfall gemacht werden, werden auch hier gesetzt. Auf meine Frage, ob es
den kein Notstromaggregat gibt,
schliesslich ist das hier das Staatsfernsehen, sagt man mir, ja, doch,
aber bis das jeweils anläuft ist die coupure bereits vorbei.
Und in der Tat, es wird wieder Licht. Weiter mit dem
Soundcheck. Doch das eine Kabel will nicht recht und so muss ein neues her,
sprich gesucht werden. Das dauert und hoppla, die nächste coupure. Ein paar
Minuten später, Licht und Kabel sind jetzt vorhanden dauert der erste
Soundcheck ganze dreissig Sekunden. Zweimal Gitarrenschrumschurm und einmal ins
Mikro gehaucht, fertig. Der zweite Soundcheck hat auch seine Tücken. Diesmal
ist die Gitarre futsch und wer lehnt nun so auf die Schnelle die seine aus?
Kurze Diskussionen, dann ist man sich einig, dann hoppla, die nächste coupure.
Nein, es ist nicht zum Lachen. Es ist zum Brüllen.
Als das Licht wieder angeht, steht die Belegschaft,
respektive das Publikum auch noch im Studio. Alle schön gewandet und die Frauen
mit ihren schönsten Perücken, eingehüllt in süsse Parfüms. Ihre Chefs nehmen
direkt am Moderatorenpult Platz. Vom Moderator ist noch nichts zu sehen. Eine
Frau staubt das Moderatorenpult ab und richtet die Mikrophone. Eine Kamerafrau
und zwei Kameramänner sind nun auch noch im Studio und bereiten sich auf die
Sendung vor, nehme ich an, obwohl ich die Vorbereitungen nicht wirklich sehe.
Wo sich die Senderegie befindet ist nicht auszumachen.
Und wieder trudelt eine Schar Musiker ein. Ich will wissen,
ob die nun alle in dieser Sendung auftreten? Mais, non, wir zeichnen heute zwei
bis drei Sendungen auf.
Es geht weiter mit Soundcheck und ebenso mit den coupures. Irgendwann
hat auch Nöel seinen Check hinter sich gebracht. Er ist nervös, denn langsam
aber sicher rennt die Zeit davon. Es ist bald 15.00 und um 16Uhr müssen wir
reisefertig für SEVRAGE in einem anderen Stadtviertel sein. Vom Moderator noch
immer keine Spur.
Die nächste Aufgabe heisst eine Reihenfolge erstellen, in
der die Musiker jeweils auftreten. Das ist noch nicht gemacht? Mais, non. Klar
ist, Nounou kommt zuerst, er muss ja dann weg. Aber wer hat einen Pic, einen
Kugelschreiber? Und wer hat ein Blatt Papier? Und wer schreibt? Und für wen
macht man diese Liste? Ach so, für den Moderator.
Und nein, pas encore une coupure, nach sechs gezählten
Stromausfällen in 1,5 Stunden geht nun alles seinen richtigen Weg. Der
Moderator schwebt ein, witzelt was von zu heiss und so und bringt die Frauen im
Publikum zum Lachen. Und erinnert alle daran, dass heute Sonntag ist, nicht
Mittwoch. Dann kommen sich die Kamerafrau und ein Kameramann ins Gehege, das
heisst ihre Kabel verfangen sich, es schein unklar, wer wenn im Sucher hat und
welche Kamera aufzeichnet. Kurzer, heftiger Wortwechsel und schon ist es auch
wieder vorbei.
War das nun ein Training oder schon die Aufzeichnung? Nöel
meint, es sei die Testaufnahme, aber die würden oft verwendet, da ansonsten die
Leute zu nervös seien ... Was denn nun?
Es ist 15.40 als Nounou endlich singen kann. Um15.50
bestiegen wir den Töff und fahren zum Treffpunkt. Wir werden nur ein bisschen
zu spät eintrudeln. Unterwegs fahren wir an einem Unfall vorbei. Aber das ist
doch das Auto von Augusta, einer Schauspielerin, die ebenfalls um 16 Uhr am
Treffpunkt sein sollte. Was ist passiert? Ist jemand verletzt? Nein nur ein
Blechschaden. Zum Glück. Jetzt warten wir alle auf die Polizei. Aber das ist
eine andere Geschichte.
Apple c’est Suisse, non? Nein, Apple ist eine amerikanische
Marke. Bist du sicher? Ja, ich bin sicher. Warum? Hé ici en Ouaga sind alle
überzeugt, dass Apple und iPhone et tututtu aus der Schweiz kommen. Warum? Weil
alle Schweizer, die hier in BF sind Applecomputer und iPhone haben, tous, tous,
tous.
Freitag, 5. Oktober 2012
OSER LUTTER - SAVOIR VAINCRE 2èm partie
| Wehe, wenn die losgelassen .... Bacchantinnen |
Et voilà.
Und plötzlich stehen rund 20 Künstler ohne Engagement, ohne Geld auf den
staubigen Strassen von Ouaga. Künsterinnen und Künstler, die andere Angebote
ausschlugen, sich nicht an Ausschreibungen beteiligten, brev, die auf die
Bacchantinnen setzten. Und die bereits sehr weit gekommen waren. Und bereits
sehr viel Gratisarbeit geleistet hatten.
Nun
ist dieser Vorgang nicht einzigartig. Das Produktionen abgesagt, verschoben
werden kommt immer wieder vor. Hüben wie drüben. Bloss das drüben, sprich in
der Schweiz mindestens die Mindestregeln eingehalten werden müssen (was auch
nicht immer passiert, ich weiss). Aber dann ist die Schlichtungsstelle dann
doch zur Stelle.
Hier
lasten solche Konsequenzen ungleich schwerer. Da Geld immer knapp ist und sich
die Menschen im Hinblick auf Engagement oftmals verschulden, sind Njets eine
Katastrophe mit langen Rattenschwänzen. Schulausgaben für Kinder, längst
fällige Medikamente, Schuldensanierungen, ja selbst das Benzin für den Töff
kann nicht mehr bezahlt werden. Und, nein deine Freunde kannst du nicht
anpumpen, die stehen in der gleichen Kloacke, ohne Gummistiefel ...
Und
so werden in der Regel, solche „Schicksale“ murrend akzeptiert und sind bald
vergessen. Bis zum nächsten Mal. Umso erstaunlicher, dass diese Dionysos-Equipe
nun beschlossen hat, sich nicht einfach zu beugen. Sondern es wagt Fragen und
Forderungen zu stellen, drüber zu sprechen, ihre Kollegen und Kolleginnen zu
informieren, den verweigerten Dialog (per Mail wurde zweimal angefragt, ob man
denn nicht doch ...) zu veröffentlichen und weiter zu proben. Auch ohne Saläre.
Irène
Tassembédo ist mit von der Partie. Das heisst, die Proben finden weiterhin bei
ihr statt, für die Equipe wird weiterhin gekocht, wer dringend Benzinmünz,
Kinderbetreuung oder sonst was braucht, erhält ein Minimum an Unterstützung.
Auch sie nutzt ihre Kontakte, informiert ihre Szene. Auch sie findet die Art
und Weise wie mit den Künstlern
umgegangen wird, diese Respektlosigkeit! eine Frechheit.
Warum
hat man die Carte blanche von Irène Tassembédo mir nichts dir nichts
gestrichen? Was für ein Machtkampf wird auf den baren Füssen der Schauspieler
ausgetragen? Gibt es eine hidden agenda, von der nur Eingeweihte wissen? Warum,
wenn den schon etliche, versprochene Gelder nicht ausbezahlt werden, wird nicht
linear bei allen Produktionen gekürzt? Hier sprechen ja dauernd alle immer von der Solidarität, die wir längst nicht mehr hätten ...
Und um wie viel Geld handelt es sich? Wieso wird das alles nicht offen kommuniziert? Die Schweizer halten ihr Geld, so hört man, auch zurück. In der letzten Buchhaltung sind Unregelmässigkeiten aufgetaucht ... Viele Fragen, wenig Antworten. Es wäre spannend, dieser exemplarischen Geschichte nachzugehen. Aber welche Publikation würde so einen Artikel veröffentlichen?
Und um wie viel Geld handelt es sich? Wieso wird das alles nicht offen kommuniziert? Die Schweizer halten ihr Geld, so hört man, auch zurück. In der letzten Buchhaltung sind Unregelmässigkeiten aufgetaucht ... Viele Fragen, wenig Antworten. Es wäre spannend, dieser exemplarischen Geschichte nachzugehen. Aber welche Publikation würde so einen Artikel veröffentlichen?
Geschichten
aus Westafrika sind in unseren Medien noch immer rar. Lieber publizieren alle,
jeden Tag, jeden verdammten Scheiss, denn irgendwo ein amerikanischer
Präsikandidat von sich gibt. Der amerikanische Wahlkampf scheint für die
Schweiz von allerhöchster Priorität zu sein, dabei sind die Geschichten aus dem laufenden WK nicht einen Klick wert. Wirtschaftsmacht,
Wirtschaftsmotor, Colapower über alles. Bin kurz abgedriftet, aber das geht mir
gewaltig ans Gäder. Dieses einseitige Themensetting. Das war im
letzten Jahrhundert noch knapp okay, aber hé! die Welt ist längst eine andere und nicht einzig die Sternenbannerpolitiker oder Wirtschaftsagenturen schreiben Geschichte(n).
Und wenn ich schon am Abdriften bin, ein kurzer Ausflug in die Tier- und Umwelt. Heute haben mich mindestens schon 30 Mücken gestochen, gestern waren es eben so viele, und morgen werden es nicht weniger sein. Anti Brumm für die Katz! Die Temperatur liegt aktuell bei 36 Grad und seit neuestem müssen sich alle, die eine Natelnummer haben, registrieren lassen, ansonsten wird die Nummer gekappt. Heisst es offiziell, ob es dann auch tatsächlich so sein wird, on verra.
Und wenn ich schon am Abdriften bin, ein kurzer Ausflug in die Tier- und Umwelt. Heute haben mich mindestens schon 30 Mücken gestochen, gestern waren es eben so viele, und morgen werden es nicht weniger sein. Anti Brumm für die Katz! Die Temperatur liegt aktuell bei 36 Grad und seit neuestem müssen sich alle, die eine Natelnummer haben, registrieren lassen, ansonsten wird die Nummer gekappt. Heisst es offiziell, ob es dann auch tatsächlich so sein wird, on verra.
Und aus
noch nicht verifizierten Gründen scheint Gas Mangelware zu sein. Die Menschen
stehen stundenlang mit ihren leeren Gasflaschen, auch für die Katz.
De
retour. Les bacchantes.
Hier in Ouagdougou ist kein Gott mit im Spiel. Abgesehen davon, dass sich gewisse Theatermacher durchaus wie Götter, denen alles offen steht, benehmen. Nein, hier berauscht sich niemand, kein Ausrasten, kein wildes Gebaren, kein Furiengesang. Einzig eine Truppe von Schauspielern, die sich nicht mehr alles gefallen lassen will. Mit einer Frau an der Spitze, die genug Einfluss und Macht hat, den Kampf gegen die Ungerechtigkeit zu führen ...
Die Proben dauern lange, inklusive Samstag. Von 8 bis 13h, von 13.30 bis 17 oder auch 21h. Viel Choreo, viel Tanz, viel Textarbeit. Kostümprobe, Musikprobe, Licht- und Tonproben.
Jetzt stehen auch die Spieldaten fest, der Spielort ist gebucht und es wird in direkter Konkurrenz zu den Récréâtralauführungen gespielt werden. Gleiche Tage, gleiche Spielzeiten. Zwischenzeitlich wird der Kampf auch finanziell von verschiedensten Privatspenden unterstützt. Jeder FCFA ist willkommen.
Wie auch immer der Bacchantinnen-, oder ist es eher der Kampf des Dionysos? enden wird, gewonnen haben die Künstler und Künstlerinnen sowieso.
p.s. Die so viel gepriesene Solidarität unter den Künstlern hier im Lande, hält sich in engen, um nicht zu sagen engsten Grenzen ...
DIONYSOS: Hier bin ich nun, in Theben, ich, der Sohn des Zeus, Dionysos, den einst des Kadmos Kind, Semele, in eines Blitzes Feuerstrahl zur Welt gebracht. Als Gott in menschlicher Gestalt erreichte ichBotenbericht des Hirten vom Treiben der Bakchen:
den Quell der Dirke und die Fluten des Ismenos.
Das Grabmal meiner Mutter, die der Blitz erschlug,
erblick ich dort am Schloß, und ihres Hauses Trümmer;
sie rauchen heut noch, Glut des Zeus, und künden ewig
von Heras wilder Eifersucht auf meine Mutter.
Ich lobe Kadmos, der den Platz als Heiligtum
der Tochter weihte; und ich hegte diese Stätte rings ein mit frischem, traubenreichem Rebengrün.
Da sah man Rippen, sah gespaltne Hufe wirbeln nach hier, nach dort. Und an den Tannen blieb es hängen und ließ, blutüberströmt, die Tropfen niederrinnen. Die Stiere, sonst so übermütig und geneigt zum Stoße mit den Hörnern, taumelten zu Boden, von tausend starken Frauenarmen fortgeschleift. Und schneller ward das Fleisch in Fetzen fortgetragen, als deines königlichen Auges Wimper zuckt. Dann stürmten, wie ein Vogelschwarm, der aufsteigt, sie zur Niederung hinab, die längs des Asopos die fetten Ähren der Thebaner reifen läßt, und stürzten sich, ein feindlich Heer, auf Hysiai und Erythrai am Fuße der Kithaironberge, und schleppten alles fort in buntem Durcheinander. Aus Häusern rafften sie sich Kinder auf. Und was sie auf die Schultern luden, das blieb ohne Riemen dort haften, stürzte nicht herab zur schwarzen Erde, auch Erz, auch Eisen nicht. Auf ihren Locken trugen sie Feuer, das nicht sengte. Wütend nun ergriff das Volk, das von den Bakchen sich geplündert sah, die Waffen. Das ergab ein seltsam Schauspiel, Herr: Die Bauern schlugen mit den Waffen keine Wunden, die Bakchen schleuderten den Thyrsos aus der Hand und trafen bis auf Blut und jagten, sie, die Weiber, die Männer in die Flucht! Da war ein Gott im Spiel!
| Proben zu den Bacchantinnen - chez Irène Tassembédo |
Hier in Ouagdougou ist kein Gott mit im Spiel. Abgesehen davon, dass sich gewisse Theatermacher durchaus wie Götter, denen alles offen steht, benehmen. Nein, hier berauscht sich niemand, kein Ausrasten, kein wildes Gebaren, kein Furiengesang. Einzig eine Truppe von Schauspielern, die sich nicht mehr alles gefallen lassen will. Mit einer Frau an der Spitze, die genug Einfluss und Macht hat, den Kampf gegen die Ungerechtigkeit zu führen ...
Die Proben dauern lange, inklusive Samstag. Von 8 bis 13h, von 13.30 bis 17 oder auch 21h. Viel Choreo, viel Tanz, viel Textarbeit. Kostümprobe, Musikprobe, Licht- und Tonproben.
Jetzt stehen auch die Spieldaten fest, der Spielort ist gebucht und es wird in direkter Konkurrenz zu den Récréâtralauführungen gespielt werden. Gleiche Tage, gleiche Spielzeiten. Zwischenzeitlich wird der Kampf auch finanziell von verschiedensten Privatspenden unterstützt. Jeder FCFA ist willkommen.
Wie auch immer der Bacchantinnen-, oder ist es eher der Kampf des Dionysos? enden wird, gewonnen haben die Künstler und Künstlerinnen sowieso.
p.s. Die so viel gepriesene Solidarität unter den Künstlern hier im Lande, hält sich in engen, um nicht zu sagen engsten Grenzen ...
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