Dienstag, 28. Februar 2012

Ouagadougou ist ...


... kommerziell ...
... schraubt sich empor ...
... wird breiter ...
... passt sich an ...
...  designt ...
... entwirft ...
... schaut in die Zukunft ...
... feiert sich ...
... nimmt weiter Land ...




Sonntag, 26. Februar 2012

Publikum - Provokation - Porno

Es gilt - bei lauen 39,5 Grad und alles fliesst - ein paar Dinge zu klären. Wir, die Theaterfritzen müssen uns entscheiden, welchen Drall "Sevrage", unsere Lysistrata aufnehmen soll. Dies ist uns nach der freitäglichen Filage klargeworden. Einmal mehr haben wir unsere Arbeit oder besser gesagt, das was wir bis jetzt gemeinsam erarbeitet haben, einem kleinen Publikum vorgeführt. Mit einem unfertigen Bühnenbild, drei Scheinwerfern, halbfertigen Kostümen - work in progress, eben. Et voilà, comme ça. Und teilweise gröbere Reaktionen ausgelöst. Von Pornografie, unnötigen Provokationen, Kinderschutz und mehr war die Rede. Männliche Rede, notabene. In einem Land, dass zwar die Beschneidung seit 1996 per Gesetz verbietet und trotzdem über 70 Prozent (Stand 2003, mit abnehmender Tendenz) aller Frauen beschnitten sind ... Wird die Gleichberechtigung mit einem Sexstreik und einer argumentativen Überzeugung eingefordert, dann fühlen sich gewisse Männer auf den Schwanz getreten. Denn die Moral kommt vor dem Sex, surtout in der Öffentlichkeit. Der afrikanische Machismus lebt.
Argumente, die mir nicht unbekannt vorkommen. Auch in der aufgeklärten Schweiz fühlen sich die rechtenrichtigen Männer schnell provoziert, wenn sich Frauen lustvoll über das Gemächt der Männer unterhalten. Oder sich darüber verlustieren. Dabei gibt es noch immer unvergleichlich mehr abwertende Wörter für die Vulva, als für den Penis. Und wenn eine Prostituierte, wie in "Sevrage" für sich Achtung und die gleichen Rechte reklamiert, die für jeden Mann selbstverständlich sind, ist es um das Verständnis und mit der Toleranz schnell vorbei. Une pute, écoute ...?!  Im Süden wie im Norden. und im Osten. Und im Westen. Von der schlüpfrigen Scheinheiligkeit gewisser amerikanischer Politiker wollen wir gar nicht reden. Oder der jahrhundertealten selbstgedrechselten, doppelt gepoppten Sexuallehre des Vatikans, dieses Ministaates mit Weltanspruch. Und die Evangelikalen? Und, und, und?
Was haben wir, was haben unsere Schauspielerinnen denn gespielt? Nichts was der grossen Rede wert gewesen wäre. Klar schrammten einige Schauspielerinnen mit ihrem Spiel hart an sensiblen (huihui) Männer-Egos vorbei. Und ja, ein grosser Dildo wurde kurzerhand in ein Mikrophon umgewandelt. Klar haben die Frauen lustvoll les fesses dem Publikum präsentiert.  Klar war und ist noch etliches in diesem Stück unausgegoren, die Kernaussage aber: Gleichberechtigung - und Achtung für die Frauen - alle Frauen - keine Kriege mehr, unter denen alle leiden ausser die Strippenzieher, ist richtig und berechtigt. Ohne Punkt und Komma.
Der Ausgeglichenheit halber muss ich, zwingend, erwähnen, dass es auch Männer gibt, die kein Problem mit unserem bisherigen Stückverlauf haben. Und auch an jenem Abend nicht hatten. Die uns gratulierten, sich gut amüsierten und uns ermutigten, unbedingt so weiter zu machen. Sie waren einfach nicht ganz so stimmgewaltig. Die Frauen meldeten sich leider nicht zu Wort ... il faut les encourages ...
Die Gesellschaft ist in Bewegung, auch in Burkina Faso Sie zeigt Risse. Haarfeine und dickere. Vieles bricht auf. Die neuen Medien sind auch hier im Vormarsch, zeigen Ungesehenes, Neues. Ein Klick kann der Schlüssel in eine neue Welt sein. Noch weht der arabische Frühling nicht in den Subsahara Staaten, wird er peut-être auch nicht, doch eine Brise ist durchaus hin und wieder zu spüren. Die jungen Menschen wollen eine Zukunft und keine leeren Versprechungen. Surtout les femmes. Blaise Comparoè wird sich warm anziehen müssen, wenn die nächsten Wahlen 2015 anstehen.

Wer hat Angst vor starken Frauen?
Derweil wir weiter diskutieren. Soll Theater aufklären, provo- und evozieren oder soll es einfach unterhalten? Kann oder muss Theater Ansprüche stellen und wenn ja welche? Und wer trägt die Verantwortung? Der Autor, der Regisseur, die Produzenten, das Publikum? Diese Fragen beschäftigen alle Theatermachenden immer wieder. Führen mitunter zu heftigsten Auseinandersetzungen, theatral-ideologisch geführten Debatten, Querelen, Erkenntnissen, Glücksmomenten bis hin zu Verdankungen. Die Antworten können nie einfach ausfallen, denn wo Menschen Menschen - Stereo-, Arche-, Proto-Typen - darstellen, menschelt es zutiefst. In allen Ecken und Bereichen. Vor, auf und hinter der Bühne. Und wir bilden keine Ausnahmen, sind immer parteiisch, immer auch fehlbar. Und das liebe Publikum, das blöde Publikum ... Publikum ist ja nie einfach blosse Anzahl Menschen. Das Publikum hat: ein geteiltes Ziel - eine Theatervorstellung gemeinsam und freiwillig (in der Regel ...) besuchen - und ein ungeteiltes, individuelles - das Rezeptieren des Gesehenen. Im Kontext der eigenen Moralvorstellungen. Und an diesen knabbern Theatermenschen gerne herum. Wir arbeiten weiter. Nicht unbeirrt, aber überzeugt.
An das Publikum
O hochverehrtes Publikum,
sag mal: Bist du wirklich so dumm,
wie uns das an allen Tagen
alle Unternehmer sagen?
Jeder Direktor mit dickem Popo
spricht: "Das Publikum will es so!"
Jeder Filmfritze sagt: "Was soll ich machen?
Das Publikum wünscht diese zuckrigen Sachen!"
Jeder Verleger zuckt die Achseln und spricht:
"Gute Bücher gehn eben nicht!"
Sag mal, verehrtes Publikum:
Bist du wirklich so dumm?
So dumm, daß in Zeitungen, früh und spät,
immer weniger zu lesen steht?
Aus lauter Furcht, du könntest verletzt sein;
aus lauter Angst, es soll niemand verhetzt sein;
aus lauter Besorgnis, Müller und Cohn
könnten mit Abbestellung drohn?
Aus Bangigkeit, es käme am Ende
einer der zahllosen Reichsverbände
und protestierte und denunzierte
und demonstrierte und prozessierte...
Sag mal, verehrtes Publikum:
Bist du wirklich so dumm?
Ja dann...
Es lastet auf dieser Zeit
der Fluch der Mittelmässigkeit.
Hast du so einen schwachen Magen?
Kannst du keine Wahrheit vertragen?
Bist also nur ein Griesbrei-Fresser-?
Ja, dann...
Ja, dann verdienst dus nicht besser
(Kurt Tucholsky)

Freitag, 24. Februar 2012

Le nombril oder das gelbe Vorhängeschloss?

Alles fliesst. Der Schweiss, das Wasser, die Emotionen. Dazwischen Kurzstopps und Entscheidungen. Grössere, kleinere, gewichtige contra banale.
Zu den grösseren gehört die definitve Plakatauswahl. Zwei stehen nun zur Auswahl. Theoretisch. Praktisch ist die Entscheidung gefallen. Dem Produzenten (Theater-C.I.T.O.) gefällt der Schweizer-Vorschlag. Die Schauspieler würden dem Burkina-Vorschlag den Vorzug geben.


Vorschlag1: Illustrators Nanga
Bild gegen Illustration. Verführungskette gegen Vorhängeschloss.

Das Foto ist gut, aber es ist nicht zum Lachen. Und wir spielen ja eine Komödie, non? 
Mir gefällt der Bauchnabel nicht, wem gehört er überhaupt? 
Wieso sieht man hier nicht noch ein bisschen Schamhaar? Die Frauen streiken, also haben sie gar keine Zeit für Intimrasur.
 Et les blancs?
Der Bauchnabel ist interessant(er), eben weil er nicht perfekt ist.
 In der francophonen Kultur sind Illus und Comics besser akzeptiert, als chez nous.
Das mit dem abgehackten Bein geht gar nicht ...
Und jetzt? Die Entscheidung wird fallen, alles fliesst. So oder so.  


Vorschlag2:  CH-Design







Donnerstag, 23. Februar 2012

On es optimiste - immer und fast überall

Ich befürchte in meiner - ausgeleierten, durchgelegenen - Schaumstoffmatratze wohnt eine kleine Bettwanze. Und da ich immer in der mehr oder weniger gleichen, unbewegten Stellung schlafe - eben weil die Matratze so durchgelegen und ausgeleiert ist - beisst, saugt, pickst mich die kleine Bettwanze nächtens immer an der gleichen Stelle. Meine Anti-Brumm-Interventionen zeigen bis heute keinen Erfolg. Das gleiche lässt sich von meinen olfaktorischen Angriffen sagen. Links neben meinem Kopfkissen liegt ein Lavendelduftsachet, rechts davon eine Vanillieschote.  Und mit Rattengift - hier in jedem, wirklich jedem Shop erhältlich - möchte ich nun doch nicht hantieren. Was soll's:  Ein Haustier mehr macht noch keinen Zoo. On est optimiste -  on est trankil.

Bettwanze, nicht  sichtbar

Diese Eigenschaften waren auch gestern gefragt, als wir einer Einladung der HELVETAS Folge leisteten und im Zuge dieser Einladung eine grössere - so nicht vorgesehene - Reise unternahmen.
Kommuniziert und geplant war:
1. Besammlung  und Abfahrtsort: C.I.T.O 17:00 Uhr, mit grossem Reisebus für Alle
2. Bestimmungsort: Koubri, ein kleines Dorf, gleich hinter Ouaga. Reisezeit circa, ungefähr, höchstens eine Stunde
3. Nachtessen und Getränke vor Ort
4. Ziel: Un filage für Helvetas Mitarbeitende in BF, Beginn 21:00 Uhr mit  anschliessender Diskussion. Was gefällt, was gefällt nicht, wird alles verstanden und tututu
5. Heimreise ungefähr 23:30 Uhr

Transport nach Koubri
Et voilà - Der Bus kam etwas später (18:00 Uhr irgendwas) und als er kam, war der Bus geteilt, quasi. Ein Toyota-Minibus für Decor und Schauspielende, ein Privatauto von Augusta (Schauspielerin) und C.I.T.O.-Dienstwagen. Brèv: wir hatten nicht genug Platz und waren ein bisschen im Rückstand auf den Zeitplan ... Es wurde diskutiert und umplaciert und nochmals umplaciert und nochmals diskutiert und irgendwann waren wir en route.
Ouaga liessen wir hinter uns, erreichten bald Koubri, alles war tipp und topp, aber dann kam alles ein bisschen ins Stocken. Wo genau ist der Spielort? Wer hat Infos, wer hat eine Karte, wer hat einen Kontakt? Wer? Aha. Niemand weiss genaueres. Aha. Nachfragen an der Tankstelle. Aha. Es ist gar nicht in Koubri, der Ort befindet sich etwas ausserhalb. Aha. Aufgemacht und abgefahren. Und dann rütteln wir 18 Kilometer übers Land. Leider sehen wir nicht viel, da die Sonne längst am Schlafen ist. Wir passieren ein Barrage und rütteln weiter. In den Autos wird getratscht, gefotzelt, gestichelt, ausgetauscht und wir versuchen ein bisschen zu Singen ... Langsam aber sicher kratzt der Staub an unseren Kehlen und wir hätten alle gerne ein Brakina.
Irgendwann kommen wir in der AUBERGE LES BOUGAINVILLIERS an. Aha, das ist gar nicht HELVETAS-Quartier.  Pier-Luigi Agnelli, HELVETAS-Verantwortlicher für BF und seine Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen empfangen uns herzlich. Das Nachtessen können wir (vorerst) vergessen. Ruck und zuck Aufbauen und Spielen. Und noch schnell ein Bier oder einen Jus, ex und hopp.

 Theater braucht Publikum, Koubri

Zu unser aller Freude gelingt  auch die zweite Filage. Die Akteure geben wie immer, wenn Publikum vorhanden, alles und wenn der Txt vergessen  geht, wird improvisiert. Das Publikum lacht viel, die Männer zeitweise etwas verhaltener ... d'accord, sie kommen auch nicht immer gut weg ...
Nach zwei Stunden der Schlussapplaus. Das Publikum ist begeistert, wir sind es auch. Anschliessend wird einmal mehr intensiv diskutiert. Die Frauen bieten den Männern Paroli. Die Kraft von Lysistrata beflügelt die Frauen, gibt ihnen Rückenwind.
Was wiederum uns beflügelt; denn nichts ist für Theaterschaffende schlimmer als im luftleeren Raum zu agieren. Theaterschaffende brauchen einen Resonanzkörper, brauchen das Publikum. Ohne Publikum kein Theater. So simpel ist das.

Das anschliessenden Nachtessen ist kein kulinarischer Höhepunkt.  Die Auberge le Bougainvilliers hat auf Sparflamme gekocht. Einigen  Schauspieler stösst das, absolut zu Recht, sauer auf, bezahlen sie doch das Nachtessen mit ihrer symbolischen Gage.
Die gute Stimmung hält trotzdem an. Denn: y'a pas de problème! Einer der Leitsätze in BF. Täglich im Gebrauch; ironisch gebrochen, ernst gemeint, augenzwinkernd, zynisch. Je nach Stimmung und Temperament. Phlegmatikerinnen, Sanguiniker, Choleriker, Melancholikerinnen.

Zu später Stunde rütteln wir uns wieder nach Ouaga zurück. Gute Nachtwünsche, morgen ist ein neuer Tag. Meine kleine Wanze wartet bereits.



Sonntag, 19. Februar 2012

Yennenga - Sankara et l'affiche

Nach der Arbeit ist vor der Arbeit. Dazwischen liegen Staubwischen, Schlafen, Essen, Duschen (kurz), erneut Staubwischen, Schwimmen, Biertrinken, wieder Staubwischen, erneut Duschen (ultra kurz), nochmals Staubwischen, wieder Duschen (am kürzesten) und ein Theaterabend im C.I.T.O. "L'éboppé des Moosé YENNENGA", die Geschichte der Prinzessin und Amazone Yennenga.




Yennengas Hengst führte sie in den Norden (heute Ghana) und dort verliebte sie die kampferprobte Amazone und Jägerin in den Elefantenjäger Rialé. Yennengas Sohn Ouédraogo gründete das Reich der Tenkodogo und damit die Herrschaft der Mossidynastien im 15. Jahrhundert. 
Zu Ehren der Prinzessin und ihres Hengstes (er führte die Prinzessin und den Jäger zusammen) wird der "Etalon de Yennenga" als höchste Auszeichnung des panafrikanischen Filmfestivals FESPACO vergeben. "Les Etalons" (die Hengste) stehen auch für die Nationalmannschaft von BF. Die heuer in der CAN keinen freurigen dafür einen schlaffen Eindruck hinterliessen und auch bald ausschieden. Die Bukinabés nahmens stoisch, echoffierten sich einzig an den teuren Vorbereitungen. 
Das wäre zu Zeiten von Thomas Sankara unmöglich gewesen.


"Als Sankara 1983 an die Macht kommt, bekämpft er die in Afrika allgegenwärtige Korruption und lebt selbst stets spartanisch. Legendär ist sein Verkauf der Mercedes-Dienstwagenflotte der damaligen Ministerriege. Die hohen Politiker sollten, wie er, nur noch im kleinen Renault 5 oder öffentlich zweiter Klasse reisen. Privilegierte Beamte kontrollierte er frühmorgens auch persönlich, ob sie ihren Dienst versahen."


Sankara, der weit mehr vollbrachte als nur die Mercedesflotte seiner Minister  abzuschaffen - was längst nicht alle goutierten - , bezahlte sein Engagement mit dem Tod. 






Genug Revolution - wir brauchen, jetzt wo wir endliche einen Stücktitel haben, auch ein Plakat. Pressearbeit, Marketing, Werbung ist auch in BF nicht zu unterschätzen.


Silvia Luckner an der Arbeit
Plakatvorschlag, noch nicht bearbeitet
Plakatvorschlag2, noch nicht bearbeitet

Plakatvorschlag3, unbearbeitet
Plakatvorschlag4, unbearbeitet


















Samstag, 18. Februar 2012

Starke Frauen, notgeile Männer - erster Durchlauf

Der Tag beginnt harmlos. Abgesehen davon, dass der Automat der Banque BICIAP die Postkarte von Martin Bölsterli, seines Zeichens unser geschätzter Bühnenbildner, frisst. Rübis und stübis. Und der gefrässige Apparat denkt nicht daran die Karte wieder auszuspucken. Doch wir müssen weiter, schliesslich findet heute unser erster Durchgang statt. Als Abschluss der Probearbeiten im Gambidi spielen wir alle Szenen durch. Un filage, wie das hier heisst. Ohne Unterbrechung, ohne Einwürfe, lassen wir die Schauspieler los. Alle sind neugierig ob "SEVRAGE" als Stück funktioniert, ob die einzelnen Szenen Sinn ergeben, das Stück den komödiantischen Anforderungen entspricht, les personnages stimmen, brèv ob wir auf dem richtigen Weg sind. Punkt 11 Uhr soll es losgehen. Soll's, aber es kommt sowieso so wie es kommt. Also alles ein tout petite später. Wir lassen die gelbe Karte in der Bank mit dem grünen Logo zurück und blicken vorwärts. Kaum im Gambidi angekommen nimmt Monsieur Harmattan seine Arbeit auf. Er bläst einmal de plus aus vollen Backen ohne Unterlass. Poussière partout. Über alles und alles legt er seinen dunkelroten Staub. Mit jeder Minute, jeder Stunde deckt er die Stadt zu. Er besetzt Schleimhäute, Ohrmuscheln, Haare. Staub zu Staub, aber - noch keine Asche. Hopp, hopp, hopp sofort alle Türen schliessen, Fenster zu und hoffen, dass er heute nur halbtags arbeitet, der grosse Wind. Denn die Schweizer haben kurz vor dem Aufbruch sämtliche Fenster im Haus geöffnet, damit die Luft - oder eben Madame la poussière, besser zirkulieren kann ... Doch jetzt ist eine Zeit für Sandspiele.

Harmattan
Bitte das Décor für die erste Szene bereit stellen, die Kostüme und die zur Verfügung stehenden Accessoir zusammentragen. Und ja die Musiker sollen auch ihre Hemden anziehen. Und nein Kadi kann ihr Cocktailkleid nicht tragen, es passt überhaupt nicht zu ihrer Personage. Ist jetzt eine Friedensfahne da? Klar kann Ibrah als General eine Schürze anziehen, auch wenn diese aktuell eher wie ein Fundstück einer Müllhalde daherkommt. Alles ist work in progress, ist Improvisation mit dem was wir haben. Ausser dem STück natürlich. Alles wuselt, sucht, fragt, übernimmt, hinterfragt, sucht nochmals, verwirft, probiert, nimmt Platz und am Schluss ist es 11 Uhr und 40 Minuten und unsere erster Durchlauf beginnt. Das Publikum ist klein an der Zahl, exakt vier Personen. Vom Vizepräsidenten des C.I.T.O, einem ehemaligen Militär, erwarten wir ein Feedback zu unseren Szene mit dem militärischen Personal. Darf man zeigen und thematisieren, dass der General schwul sein könnte, oder ist das schon zu viel des Guten? Denn wie in den meisten afrikanischen Staaten ist Homosexualität auch in BF verboten (unbedingt Artikel lesen "Jeune Afrique"). Wird aber - ohne Anzeige - nicht verfolgt. Und wie steht es um all die Szenen, in denen die Soldaten mit ihren erigierten Schwänzen, stark überzeichnet mais quand même, über die Bühne stolpern? On verra.

Holzschnäbi - Requisitenvorschlag
  1. Szene: An der Front. 
  2. Szene: L'hôpital militaire de TAAMS-TINGA. Die Krankenschwestern verweigern den Dienst, sie wollen an der Frauensitzung teilnehmen. 
  3. Szene: Frauenhaus - Lysa hat die Frauen versammelt und ruft den Sexstreik aus, bis der Krieg beendet ist. 
  4. Szene: Trois refus. 
  5. Szene: Wieder an der Front. Der Sexstreik zeigt erste Wirkung, die Männer sind spitz und ihre ergierten Holzschnäbis ragen in die Höh. Eine Ausnahme bildet Razonde, der schwule Soldat. 
  6. Szene: Die Frauen haben das Waffenlager besetzt und erhalten weltweite Unterstützung. Auch les jolies filles (die Prostituierten) zeigen sich solidarisch. 
  7. Szene: Tene wird als Lockvogel eingesetzt. Sie soll ausspionieren, ob die Generäle bald Frieden schliessen ... 
  8. Szene: Wieder an der Front. Es wird schlimmer und schlimmer ... Die Soldaten haben langsam die Schnauze - nein - die Hosen voll. 
  9. Szene: Pour la patrie - kann man - zur Entlastung der übervollen Leitungen - versuchen von Mann zu Mann, eh bien . alors pour la patrie ... caresser un peu.
  10. Szene: Alles spitzt sich zu. Batogoma, die Vertreterin der Prostituierten wurde beinahe vergewaltigt. Die Frauen sind entsetzt und wollen nicht mehr streiken. Lysa hält eine weitere überzeugende Rede. 
  11. Szene: Der Streik dauert und zeigt endlich Wirkung. Selbst die Generäle müssen nun Zuhause Hand anlegen. Alle Frauen sind im Streik. Die Soldaten müssen zusätzlich zur Kriegsführung die Kinder versorgen, Wäsche wasche, kochen, aufwischen et tututu. Und noch immer keine Entspannung in Sicht. Und niemand sagt: Merci chèrie, merci mon carottes! Die Soldaten und die Generäle wollen nicht mehr länger Haushalten (gratis) und Krieg führen (sinnlos). Das gilt auch für alle Militärs von Bambili, die Gegener. Gemeinsam beschliessen sie den Frieden und legen die Waffen vor der Poudrière nieder. Lysa und ihre Gefährtinnen nehmen das Angebot an. Das Fest kann beginnen. 

Nach fast zwei Stunden ist "SEVRAGE" abgespielt. Mit Publikum - und wenn es noch so mager ist - werden die meisten unserer Truppe zu Rampensäuen. Das heisst sie geben alles und noch ein bisschen mehr. Das ist in unserem Fall gut zu gebrauchen. Wir arbeiten ja mit Klischees und Überzeichnung. Auch die Musiker scheinen ein bisschen wacher als auch schon. Unser Publikum zeigt sich begeistert et Phillipe, der Ex-Militär vergibt das Label: Alles-ist-machbar-so. Alles ist eben etwas toleranter in BF, denn in anderen westafrikanischen Staaten. Ein grosse Glück für uns und eines für die Einheimischen, allen Nöten zum Trotz.  Was wollen wir mehr? Für den Moment, endlich ein Brakina. Wohlverdient und schnell getrunken.

Mittwoch, 15. Februar 2012

Commerçant de Cycles et Cyclemoteur: Congo Adama

Velo- und Töffwaschstelle, in der Schweiz nicht zugelassen
Enfin! Wir haben uns Velos gekauft. la dramaturge sich ein eher fünf- wie zweithand-Rad. Mit tututu. Ca veut dire? Mit Bremsen (45.798432% Bremsleistung), mit einen Sattel (Minifüdelimodel), mit einem Dynamo (in Betrieb), Pedalen en plastique, Shimano!-Nabe hinten, einem Made in China-Kleber und einem Hausfrauenkorb am Lenker. Also kein Sportteil und kein Fahrdenbergrunter. Auch kein Fixie. Was nicht heisst, dass es nicht bald ein Fixie sein könnte ... Hier gehört Fixie fahren zur Normalität und ist keine Erscheinung. Sch! Sch! Jetzt nicht schwarz (hat in Waga sofort eine andere Bedeutung) malen. La cycle trägt ein ausgebleichtes Orange, mit schwarzem Lenker, der nicht richtig eingemittet ist, mais ça va aller und einem silbernen Kettenschutz. Die Pneus scheinen in Ordnung.  Das ganze Bicy ist ungefettet gekauft, aber wir haben ja beurre de karité en masse à la maison. Bezahlt habe ich 40'000 CFA. Davon kann Congo Adama 2000 CFA für sich Gutschreiben, den Rest teilt sich die Velomafia ...
Mobil in Waga - Bicy made in China
Martin hat sich einen Holländer gekauft. Marke: Union Holland. Ein ausgesprochen elegantes Teil in Silber, mit Altherrnlenker bestückt, Nabenbremsen inklusive und einem Kindertöfflisattel. Inklusive hinteres Schutzblechanschweisen - innert 5 Minuten - ebenfalls für 40'000 CFA.

L'original c'est l'original



Da erscheint la cycle orange ein bisschen plump, dafür hat es ein Kämpferherz ich weiss es. ich bin sicher, ich bin überzogen. Dabei sind Cylcles auf den Rückzug. Leider. Aber wie die Esel sind auch die Stahlrosse - in Waga  und dans le pay - Auslaufmodelle. Wer kann kauft oder mietet sich einen 125er Roller. Made in China chez Kaizer. Nach 40'000 Kilometer fahren diese kleinen Schnäpper nur noch beschränkt, brauchen bei jedem Auftanken neues Öl, rauchen, stinken, röhren und sind bald zum Ausschlachten bereit. Derweil die guten allen Japaner- und Franzosentöffs, die hier auch cruisen, zuverlässig ihre Dienste verrichten. Poussière hin, poussière her, Qualität wiegt schwer.
Eigentlich wollte ich ja ein Peugotvelo, mais ... 85'000 CFA für ein wunderbar blaues mit Lion bestücktem Schutzblechvoren und in Bobo zusammengesetzt und angemalt, waren mir den dann doch ein zu grosse Investition; am Schluss wird es ja doch un cadeaux.

Peugot

Das nächste Mal gibt's wieder Theater und keine technischen Miniexkursionen.
Bizz de Waga.

Valentinstag; 22:22, 30,3 Grad.